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Bücher [Geschichte]



 
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Kai
Baueranwärter


Geschlecht: Geschlecht:männlich
Anmeldungsdatum: 09.02.2007
Beiträge: 60
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BeitragVerfasst am: 15.07.2007, 10:56    Titel: Bücher [Geschichte] Antworten mit Zitat

Bücher bedeuteten für mich schon immer mehr als für andere. Für die anderen Menschen waren Bücher seit alters her nur Dinge, die Wissen vermittelten. Nichts weiter. Doch für mich waren Bücher meine Freunde. Seit dem ich denken kann, waren Bücher um mich. Erst waren es Exemplare aus Pappe, später welche aus Papier. Sie waren meine Freunde, Tröster, Gefährten, Lehrer, Inspirationen und manchmal machten sie mir Angst. Schon immer flüsterten sie mir Dinge ins Ohr, von denen andere nicht einmal träumen konnten. Kaum sah man mich ohne ein Buch in der Hand. Sogar in der Schule las ich dauernd. Es war zwar schwierig meine Lektüren vor der Lehrerschaft zu verstecken, aber mir gelang es. Und so wurde ich belesen und das nicht nur im einfachen Sinn. Ich kannte sämtliche Möglichkeiten, Fälle zu lösen. Alle verschiedenen Arten der Fantasy-Wesen kannte ich auswendig, wie sie lebten, was sie fraßen. Ich wusste alles, was man aus Büchern erfahren konnte und somit fügte ich ihnen an einigen Stellen auch etwas hinzu. Solche Dinge, die mir zu dem Thema einfielen. Immer waren Bücher für mich da gewesen. Immer, bis jetzt. In dem Moment, in dem ich mich an all das erinnerte, waren meine Freunde nicht um mich. Ich hockte allein und verlassen in einem dunklen Verlies, meine einzige Gesellschaft waren Ratten und Spinnen. Aber wie war ich nur hier her gekommen? Wieso gerade ich? Und vor allem, warum so? Aber lassen Sie mich erklären. Alles beginnt an einem verregneten Dienstag…

Alles begann an einem verregneten Dienstag, denn wie so oft, begannen gute Geschichten immer dienstags oder freitags, und ich musste mir ausgerechnet den Dienstag aussuchen. Also an dem sagenumwobenen Dienstag war ich auf den Weg in die Nationalbibliothek von Achtadt. Ich schnürte mir die Jacke enger um mich und öffnete die große gläserne Tür. Miss Molly, die Bibliothekarin grüßte mich freundlich. Ich nickte zurück. Zielstrebig folgte ich den Ausschilderungen zu meiner Lieblingsabteilung. Seite an Seite warteten meine Freunde auf mich. Ich grinste. Endlich war ich wieder da. „Hallo“, hauchte ich. Ich zog wahllos Bücher aus dem Regal, in der Hoffnung, sie würden mir die Langeweile vertreiben. Danach setzte ich mich, schwer beladen, an einen der Tische und schlug das erste Buch auf. Harry Potter und der Stein der Weisen. Wie oft hatte ich dieses Buch gelesen? Zehnmal oder war es schon öfter? Nein, heute hatte ich keine Lust auf Harry und seine Abenteuer. Ich legte es zur Seite. Nahm das Nächste. Lycidas. Auch sehr interessant, aber auch falsch. Ich gähnte und arbeitete mich so durch fast den gesamten Stapel. Dadurch, dass ich so oft hier war, kannte ich viele Bücher schon auswendig. Ich wollte schon aufgeben, da fiel mein Blick auf ein Buch, das ich noch nie zuvor gesehen habe. Ergriffen nahm ich es in die Hand. Es hatte einen dunkelbraunen Ledereinband, war verziert mit goldenen Lettern. Das Verhängnis stand da in fein säuberlicher Schrift. Sollte ich vielleicht Miss Molly fragen, ob das ein neues Buch war? Nein, ich blättere erst einmal darin. Ehrfürchtig schlug ich es auf. Es knisterte geheimnisvoll, so wie es nur für den Geist neue Bücher tun können. Die erste Seite war vollkommen schwarz. Seltsam. Und dann fand ich Schrift. Es war altachtadtisch. Eine Sprache, die schon seit Urzeiten nicht mehr geschrieben wurden war. Dennoch konnte ich es lesen, meine Mutter hatte es mir beigebracht. Dort stand geschrieben:
Derjenige, der mich liest, wird für immer verdammt sein. Ich bin die Hölle und der Himmel gleichermaßen. Doch für den ersten Leser, werde ich Verdammnis bedeuten. Allerdings ist es jetzt schon zu spät, dein Schicksal zu ändern. Du wirst sterben und das nur durch mich.
Der Text zog mich zu sich und ehe ich recht wusste, was geschah, begann ich zu lesen an diesem verregneten Dienstag. Immer neue Wörter sog ich auf. Und jedes einzelne ließ mir kalte Schauer über den Rücken laufen. Plötzlich bemerkte ich, wie sich der Boden unter mir bewegte. Er drehte sich und plötzlich veränderte sich die Umgebung. Ich stand in einer kleinen Höhle, an den Wänden waren Bildnisse von Tieren in bunten Farben. Höhlenmalerei schoss mir durch den Kopf. Ich klappte das Buch zu und steckte es in meinen Rucksack. Es war dunkel in der Höhle, jedoch nicht so dunkel, das ich nichts sah. Ich folgte dem Licht, das durch einen kleinen Tunnel fiel. Wasser tropfte irgendwo auf den Boden und es war kühl. Dummerweise lag meine Jacke noch in der Bibliothek. Langsam ging ich den Gang entlang und leuchtete mit meiner Armbanduhr, die spärliches blaues Licht aussendete. Vor mir tauchte eine Kreuzung auf. Welchen Weg sollte ich wählen? Rechts, links, oder gerade aus? Spontan entschied ich mir für Links. Links war schon immer die Richtung, die ich wählte. Plötzlich vernahm ich Schritte. Leise trippelnde Schritte, die stetig näher kamen. Jemand kam um die Ecke. Oder besser gesagt: Etwas kam um die Ecke. Jedoch war es nichts, was zu den Schritten gepasst hätte. Ich hatte ein Ding erwartet, das klein und zart war. Diese jedoch war riesig, klobig und bewegte sich plump durch den Gang. Es machte fürchterliche Grunzlaute, als es mich entdeckte. Es kam auf mich zu, ich verspürte einen Schmerz am Hinterkopf.

Und dann erwachte ich in dieser Zelle und begann über mein Leben zu philosophieren. Darüber, das mir mein ganzes Wissen hier unten keinen Deut helfen könnte. Ich seufzte. Bald würden sie mich holen kommen, als Futter für ihren König, so nahm ich an. Wie konnte ich mir hier heraus helfen? Wenn ich jetzt eine Heldin gewesen wäre, wie sie in zahlreichen Büchern vorkamen, so hätte ich mir helfen können. Wenn ich Emily Laing, Hermine Granger, Meggie Forchart, Wendy Darling, Tinker Bell oder Jessica Fletcher wäre, so könnte ich hier irgendwas ausrichten. Aber normalen Menschen passiert eben nichts Außergewöhnliches. So dachte ich jedenfalls bis zu diesem verregneten Dienstag. Ich dachte, niemals würde so etwas, was ich schon oft gelesen habe, Realität werden. Und jetzt saß ich hier, in einem Verließ in einem anderen Land, als Mahlzeit für irgendein Ding. Plötzlich öffnete sich der Stein, der das Verlies verschloss, und ein Wesen trat ein. Es winkte mir mit der Hand. Ich stand auf und folgte ihm…

Jemand rüttelte an meinem Arm. Es war Miss Molly. „Du warst eingeschlafen. Anscheinend hatte dich Der Herr der Ringe gelangweilt“, sagte sie und lächelte. Ich öffnete verschlafen die Augen. Blickte mich um, blinzelte, rieb mir die Augen und sah mich erneut um. „Oh, mein Gott“, murmelte ich. Miss Molly lächelte wieder und ging wieder zu ihrem Platz. Ich war tatsächlich bei Frodos Reise mit dem Ring eingeschlafen. Hatte ich so lebhaft geträumt? Ich durchsuchte den Stapel und tatsächlich. Fast ganz unten lag Das Verhängnis und wartete auf mich. Also hatte ich doch nicht geträumt, oder etwa doch? Denn diese Ausgabe war ganz anders. Sie war neu, mindestens erst vor einem halben Jahr gedruckt und von einem bekannten Autor. Aber wie war das möglich? Ich beschloss nie wieder an einem verregneten Dienstag in einen Bibliothek zu gehen. Oder hätte ich einfach nur genügend schlafen sollen?
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Einmal im Leben sollte man das tun, was man schon immer einmal tun wollte.
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